Segelnd von Kolumbien nach Panama

Eine der schönsten Reisen in Südamerika von der mir viele Backpacker berichtet haben ist ein Segeltörn von Kolumbien nach Panama mit ein paar Tagen Zwischenstop auf den wunderschönen San Blas Inseln. Dieser Trip hat schon vor längerer Zeit Eingang in meine Reiseplaning gefunden. Noch viel schöner das meine beiden Mitbewohner Konrad und Gabi beschlossen haben mich in Kolumbien zu treffen und gemeinsam mit mir nach Panama zu segeln. 🙂

Gebucht haben wir den Trip mit www.bluesailing.net, die 50 USD Kommision nehmen aber bei den komplizierten Einreiseformalitäten* helfen und so viele Boote unter Vertrag haben dass der Ausfall des einen (in unserem Fall der Winfli) sofort mit einer Umbuchung auf ein anderes (der Ave Maria) kompensiert werden kann.

Ich habe also am 23.7. einen Flug von Leticia (siehe das letzte Abenteuer: Von Peru nach Kolumbien mit dem Slow Boat) nach Cartagena genommen und dort Konrad und Gabi getroffen. Wir haben gleich einmal die 550 USD bei Laurel im Bluesailing-Office bezahlt und uns dann noch eine gemütliche Nacht in der Hängematte am (nicht mehr ganz so einsamen**) Playa Blanca gegönnt.

Nach unserer Rückkehr von Playa Blanca haben wir uns im Hostel noch eine kurze Dusche gegönnt (90% Luftfeuchtigkeit und 37° machen das des Öfteren notwendig 🙂 ) und um 15:00 unseren Capitain Paul, seine Freundin und Köchin Cindry und die 8 Mitsegler am Club Nautico getroffen. Von dort ging es dann mit dem Taxi zur kolumbianischen Immigrationsbehörde um unsere Pässe ausstempeln zu lassen. Keine Ahnung warum aber dieser Prozess hat etwa zwei Stunden in Anspruch genommen und uns reichlich Verspätung im Zeitplan beschert. Zurück am Boot hatten wir dann bis 21:00 Zeit unsere Vorräte an liquiden Mitteln aufzustocken und uns ein Abendessen (selbstgemachte Sandwiches) in einem nahegelegenen Park zu gönnen. Als wir dann endlich auf das Boot kamen (ca. 22:00 weil Cindry für die Einkäufe länger gebraucht hat) ist die Situation erstmal ein bisserl angespannt weil das Boot für 13 Personen doch relativ eng ist und weil ein paar der anderen Mädels überrascht waren das (trotz deutlicher Hinweise von Bluesailing) nicht der grosse Koffer sondern nur ein kleines Handgepäck mit aufs Boot gebracht werden kann (der Rest wird bis zum Ende der Reise in der Bilge verstaut). Wir legen jedoch gleich einmal ab und die überraschend hohen Wellen verschließen die meisten Münder (ausser für kurzfristige Auswürfe über die Reling) für die nächsten zwei Nächte. Konrad und ich erklären uns bereit zwei Nachtschichten beim steuern zu übernehmen und so lege ich mich für zwei Stunden schlafen (naja da man sich dauernd festhalten muss um net aus der oberen Koje herauszufallen kann man nicht wirklich von schlafen sprechen). Um 2:00 geht meine Wache los die wegen zahlreicher großer Schiffe vor Cartagena ziemlich ereignisreich und wegen des Alters und der Schwerfälligkeit eines Kielbootes mit kleinem Ruder ziemlich arbeits- (weil korrektur-) intensiv ist. Konrad löst mich um 4:30 ab und ich bin froh über ein paar weitere Stunden Halbschlaf.

2. Tag: Highlight heute waren eigentlich die zwei Essen und dass Silvio aus der Schweiz sich gemeinsam mit mir einen zweistündigen (Hochseeangel-) Kampf mit einer großen Dorade liefern die es leider schafft sich zu befreien bevor wir sie aufs Boot ziehen können. Die zweite Nacht war leider recht ungemütlich, da es neben den Wellen auch noch angefangen hat zu regnen und eine halbgeschlossene Luke dazu führt dass mein Bett mehr einem Swimmingpool als einer (bis dato – ob einer Betthöhe von 30cm – nicht sonderlich bequemen) Schlafstätte glich. Da es aber zum Frühstück wieder strahlendes Wetter hatte und wir bereits die ersten Palmenbewachsenen Miniinseln des San Blas Archipels sichten hebt sich die Stimmung gleich wieder. Gegen zehn werfen wir Anker in geschützter Lage zwischen drei kleinen Inselchen.

Ausgestattet mit Taucherbrille, Schnorchel und Flossen machen wir uns erst einmal auf und betreten erstmal seit 36 Stunden wieder Festland. Wie im Paradies!!

 

Danach nehmen wir das nächste Riff genauer in Augenschein und sind überwältigt von der Farbenpracht dee Fische und dem guten Zustand der Korallen!

Burger zum Mittagessen und weitere ausgedehnte Schnorcheltrips lassen uns (und insbesondere den seekranken Teil der Passagiere) endgültig alle Strapazen vergessen und das Inselparadies San Blas in vollen Zügen genießen! Nach einem wunderbaren Abendessen mit einer Art Gemüsecurry mit Kartoffeln machen sich Konrad, Gabi, Silvio, Livia und ich in unserem kleinen Dingi auf zur nächsten Insel um ein kleines Feuer zu entzünden und ein paar Cuba Libre zu genießen 🙂

Tag 3: Nach dem Frühstück segeln wir etwa eine Dreiviertelstunde weiter zu einer weiteren Inselgruppe, wo wir gleich einmal Abkühlung im (leider eher ziemlich warmen 30°) Nass suchen, bevor wir auf einer der Inseln ein Feuer entzünden und ein mittägliches Barbecue geniessen.

Der Nachmittag steht wegen der Hitze mehr im Zeichen von Schatten, ein paar kühler Bier und Strandtennis, bevor wir uns zurück zum Boot begeben und eine Meeresfrüchte-Fisch-Suppe mit Lobstereinlage geniessen. Der abend klingt wieder mal bei einem Lagerfeuer und Cuba Libre aus 🙂

Tag 4: Heute hat unser Kapitän Paul etwas besonderes auf Lager, und wir begeben uns zu einer Inselgruppe die wegen der gefährlichen Strömungen und scharfer Korallenriffe (dokumentiert durch einige Schiffswracks in näherer Umgebung) eher selten angesteuert wird. Aber gerade deswegen ist das schnorcheln hier ein atemberaubendes (wenn auch ziemlich anstrengendes) Erlebnis! Eine der Inseln hier hat ca 5m Durchmesser, ist nur von einer Kokospalme bewachsen, sieht aus wie direkt aus ‚Pirates of the Caribbean‘ und bietet deshalb ein wunderbares Fotomotiv.

Burritos zu Mittag und gigantische Spaghetti Bolognese zu Abend stärken uns für die kommende Nachtfahrt, die nicht nur sehr stürmisch sondern auch wieder von höheren Wellen geprägt ist. Wir trotzen dem Wetter mit einem letzten Cuba Libre an Deck, versuchen nicht die ganze Zeit hin und herzufalleon oder über Bord geschleudert zu werden und bewundern das atemberaubend schöne Schauspiel von leuchtendem Plankton das im Seiten- und Kielwasser unseres Bootes den Sternen Konkurrenz macht! So etwas habe ich noch nie gesehen.

Tag 5: Gegen etwa 9:00 morgens entern wir die Bucht von Portobelo, werfen Anker und lassen uns und unser Gepäck von einem Wassertaxi an Land transportieren. Dort finden wir das Hostel ‚Capitain Jack‘ in dem wir eine Dusche (das erste Süßwasser seit 5 Tagen) geniessen und auf Paul warten, der mit unseren Pässen und gefälschten Flugtickets zur Immigrationsbehörde gefahren ist. Noch eine kurze Jause, große Abschiedsrunde und dann geht es weiter Richtung Panama City!

* Die Panamaer wollen von jedem Ausländer der sich länger als 72h im Land aufhält eine Steuer von 100USD (sie nennen es nicht Visagebühr oder so, weil dann müssten sie das in an deren Ländern auch zahlen). Momentan genügt es wenn man mit einem gefälschten Flugticket nach Panama kommt, die Daten werden nicht überprüft, dass kann sich aber jederzeit ändern. Die Anwälte der kommerzielen Touranbieter (wie Bluesailing) stehen in engerem Kontakt mit den panamesischen Immigrationsbehörden und sind daher immer auf dem neuesten Stand was Einreiseformalitäten (und gebühren) angeht. Dies war einer der Gründe mit einer Organisation zu buchen.

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