Rurrenabaque Teil 2 – 3 Tage Dschungel

Nach der gelungenen Pampastour mache ich mich am nächsten Tag auf zu einer dreitägigen Dschungeltour. Da sunset travel leider niemand anderen gefunden hat um mit mir die Tour zu machen, haben sie mich an eine Agentur weitervermittelt, deren Büro – naja – fast keine Information auf englisch oder spanisch zur Verfügung stellt, sondern nur in hebräisch. 🙁 Demzufolge war ich dann auch der einzige Nichtisraeli in unserer Vierergruppe, was meine Vorfreude etwas getrübt hat. Aber Gott sei Dank waren die drei ganz nett (wenn sie mal in gebrochenem Englisch mit mir geredet haben), meistens habe ich aber irgendwo in Ruhe mein Buch gelesen oder mit dem Guide gesprochen.

Wir sind also direkt von Rurrenabaque mit dem Boot  den Rio Beni hinauf in den Madidi Nationalpark aufgebrochen. Leider hat es zu diesem Zeitpunkt in Strömen angefangen zu regnen, so dass die 3-stündige Bootsfahrt eher ungemütlich gewesen ist. Nach etwa einer Stunde biegen wir ab und fahren weiter den Tuichi River hinauf, der uns tiefer in den Madidi Nationalpark hineinführt. Nach weiteren etwa 2 Stunden landen wir dann an einem etwas unscheinbaren Stück Strand und schleppen unsere Ausrüstung bis zu unserer Lodge. So sumpfig wie es hier ist, und bei den zahlreichen Bächen die man immer wieder durchqueren muss (sowie dem giftige Getier) bin ich gleich einmal recht froh dass wir Gummistiefel bekommen haben.

Wir beziehen gleich einmal unsere Zimmer, bekommen von Doña Rosita ein außerordentlich gutes Mittagessen gekocht, und machen uns dann auf einen 3-stündigen Spaziergang durch den Dschungel, wo wir zwar nicht viele Tiere sehen, aber alles zum Überleben im Urwald lernen (dazu gehört hauptsächlich Kenntnis darüber was man alles nicht essen oder berühren darf um die wenigen Pflanzen auszusortieren die einen nicht bei der kleinsten Berührung umbringen!) Dazu gehören Palo Santo (gut), Soliman (hochgiftig mit vielen kleinen gemeinen Stacheln), Blood Tree, die Ayahuasca-Liane (giftig wird als Rauschmittel für schamanische Zeremonien verwendet) und eine Liane [Namen vergessen] die wohlschmeckendes Trinkwasser produziert.

Nach dem Abendessen zeigt unser Guide José uns dann wie die Einheimischen eine Pachamama-Zeremonie durchführen, und so bittet er Pachamama um viele Tiersichtungen für unsere Gruppe, und dass keinem von uns etwas (giftiges) passiert. Die Zeremonie besteht aus einem kleinem Loch in der Erde, einer Kerze und ein paar Kokablättern die man der Pachamama opfert. Während die Kerze brennt erzählt er uns ein paar Geschichten aus der Zeit als er als neunjähriger Junge von seinem Grossvater (dem Stammes-schamanen) im Dschungel alleingelassen wurde und sich vier Tage alleine zurück zu seinem Dorf geschlagen hat. Und von den Pumas und Ozeloten und anderen wilden Tieren die er im Dschungel schon gesehen hat. Und von den Amazonas-Völkern die am nördlichen Ende des Madidi-Nationalparks (etwa 3-5 Tage mit dem Boot) noch mit Lendenschurz und Pfeil und Bogen leben und jagen, und jeden Kontakt mit westlicher Zivilisation meiden. Und von Christopher, einem 30-jährigen Amerikaner, der vor zehn Jahren unbedingt dorthin wollte, und so von einer Gruppe Einheimischer um José an die Nordgrenze des Parks gebracht wurde und sich mit den Worten verabschiedet hat: „Wenn ich in 4 Tagen nicht zurück bin fahrt ohne mich“. Bis heute weiß José nicht, ob er von dem Volk aufgenommen oder umgebracht worden ist. Ist spannend zu hören wie Nahe zu diesem Zeitpunkt die unbekannten und bedrohlichen Tiefen des Amazonas uns eigentlich sind (5 Tage mit dem Boot flussaufwärts).

Am nächsten Morgen machen wir uns nach dem Frühstück auf, eine Lianen-schaukel zu basteln, Pfeil und Bogen nur mit lokalen Materialien zu produzieren und weitere Tiere und giftige Pflanzen kennenzulernen. Am Nachmittag versuchen wir dann am Tiuchi River Catfish zu fangen. Leider gehen wir leer aus, und außer dass ich bis zu den Oberschenkeln im Treibsand versinke und ohne die anderen nicht mehr rausgekommen wäre passiert nicht viel 😀 Nach dem Abendessen geht es dann im Schein der Stirnlampe los um evtl ein paar wilde Tiere zu beobachten. Wegen des Desinteresses der anderen Gruppenteilnehmer leise zu sein (was mich auf 180 bringt) sehen wir eigentlich gar nichts, und José zieht mit mir alleine mitten in der Nacht noch einmal los um vielleicht doch noch etwas zu sehen. Diesmal haben wir Glück und finden in unseren eigenen – etwa 20 Minuten alten – Fußspuren Pfotenabdrücke und Exkremente eines Jaguars. Wir können sogar sein schnaufen hören. Wir folgen ihm bis zum Fluss wo er getrunken hat. leider ist nichts mehr von ihm zu hören und erst recht nicht zu sehen. Dafür bekommen wir kurz einen Ozelot zu Gesicht, und überraschen ein paar Taranteln beim Netz bauen. So war es am Ende doch noch ein sehr spannender Tag (auch wenn wir nicht wirklich etwas gesehen haben).

Am nächsten Tag basteln wir noch Schmuck aus kleinen Kokosnüssen, und fliehen dann (also zumindest ich fliehe) recht schnell zu unserem Boot, weil eine neue (und sehr laute und unverschämte) Gruppe von Landsleuten meiner anderen Gruppenmitglieder angekommen ist. Auf dem Rückweg machen wir dann noch an einer Felswand halt, die es – wegen der großen Anzahl knallbunter Papageien die in ihr lebt – vor einigen Jahren auf die Titelseite des National Geographic Magazines geschafft hat. Leider gibt meine Kamera mal wieder den Geist auf, so dass die Bilder nicht besonders gut werden.

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