Rurrenabaque Teil 1 – 3 Tage Pampas

Eines der Highlights auf die ich mich bei meiner Südamerika-Reise besonders freute ist ein Ausflug in den Amazonas-Dschungel. Ursprünglich wollte ich diesen von Iquitos (Peru) aus unternehmen, aber zahlreiche Berichten anderer Reisender, dass der Dschungel dort im Umkreis von vielen Tagen komplett „tot“ sei, und ob der drohenden Malariagefahr in dieser Gegend gaben mir zu denken und ich beschloss mich nach Alternativen umzusehen. Die mit Abstand billigste und gleichzeitig unerschlossenste Gegend, in der es außerdem schon seit Jahren keinen Malariafall mehr gegeben hat ist die Umgebung von Rurrenabaque im Norden Boliviens. Dort gibt es aber nicht nur Dschungel, sondern auch Pampas, die wegen der weniger dichten Vegetation die Sichtung einer Vielzahl verschiedener Tiere (Pumas, Anacondas und Kaimane und vor allem die berühmten rosa Amazonas-Flussdelfine (in diesem Fall die bolivianische Unterart Inia geoffrensis boliviensis)) ermöglichen.

Ich habe also von La Paz aus sowohl den Flug mit Amazonas nach Rurrenabaque als auch eine jeweils 3-tägige Pampas- und Dschungeltour gebucht (Beide mit Sunset-Travel, für 550Bs – in Rurrenabaque hätte ich nur 500Bs. bezahlt – deutlich billiger als viele andere Angebote, aber ohne Bedenken, da ich keine negative Bewertung hinsichtlich Guides und Umgang mit den Tieren und der Natur im Netz gefunden habe). Am nächsten Tag um vier aufgestanden, zum Flughafen in La Paz – El Alto gefahren um den 6:20 Flieger nach Rurre zu nehmen. An Bord zuerst einmal eine kleine Überraschung erlebt, der Flieger ist winzig (19 Passagiere), es gibt keinen Service an Bord, und man kann den Piloten bei der Arbeit zusehen! Da die Maschine auch nicht sehr hoch steigt, kann man aus dem Fenster (auf gleicher Höhe) den Bergsteigern am Gipfel des Huyana Potosi zuschauen). Der Flug dauert etwa 40 Minuten, in welchen man von 6000m auf 230m Seehöhe sinkt, um auf einer scheinbar verlassenen Piste mitten im Urwald zu landen.

In Rurre angekommen mache ich es mir in einem Kaffee gemütlich und warte darauf dass die Agentur öffnet und der Pampas-Trip beginnt. Wir sind eine bunt gemischte Gruppe verschiedener Nationalitäten, und nachdem alle kräftig zupacken haben wir bald Lebensmittel, Rucksäcke und alle anderen Ausrüstungsgegenstände auf dem Dach unseres Jeeps verstaut und machen uns auf den Weg. Weil es in den letzten Tagen ziemlich geregnet hat sind die Straßen ohne Allrad gar nicht erst passierbar, und selbst mit 4×4 ist die dreistündige Fahrt eine recht anstrengende Angelegenheit für Fahrer und Passagiere. Unsere Stimmung wird allerdings dadurch beflügelt, dass wir am Straßenrand bereits eine erste Gruppe beeindruckend großer Kaimane sehen.

Nach einem kurzen Mittagessen in Santa Rosa de Yacuma besteigen wir ein kleines Flussboot, mit dem es noch einmal drei Stunden den Yacuma River hinaufgeht.

Dieses Boot wird für die nächsten Tage unser einziges Fortbewegungsmittel sein, da die bolivianischen Pampas zum größten Teil von den Wassern des Yacuma Rivers bedeckt sind. Auf dem Weg zu unserer Eco-Lodge sehen wir bereits einen Haufen verschiedener Vögel, einen Capybara und Kaimane, die bei einer mehrstündigen Rundfahrt nach dem Mittagessen noch durch verschiedene Arten von kleinen Affen (hauptsächlich Totenkopfaffen), einer schwimmenden Kobra und sonnenbadenden Schildkröten ergänzt werden.

Als es zu dämmern beginnt machen wir uns auf den Sonnenuntergang in der Pampas-Bar (wo wir außerdem ein paar andere Gruppen treffen) zu bewundern. Natürlich von oben bis unten mit Moskitospray bedeckt, diese Blutsauger sind nämlich – neben ihrer schieren Menge – ziemlich aggressiv und durstig.

Nach einem guten Abendessen und einem weiteren Bier in der kleinen Bar unserer Lodge, legen wir uns zeitig schlafen, da bereits um 5:00 wieder zur Sonnenaufgangstour geweckt wird. Wir sind die einzigen die bei absoluter Stille auf einem kleinen See Tiere und den Sonnenaufgang bewundern. Wirklich schön!

Nach dem Frühstück machen wir uns dann auf in schulterhohem sumpfigen Pampasgras nach Anacondas und anderen Schlangen zu suchen (ich bin ziemlich froh über die kniehohen Gummistiefel). Dazu teilen wir uns in Zweiergruppen auf und versuchen so leise wie möglich zu sein um die Schlangen nicht zu verjagen. Leider tauchen eine halbe Stunde später ein paar andere Gruppen auf, die – mit unverantwortlichen Guides (dazu später mehr) – mit voller Laustärke Unterhaltungen führend durchs Gras trampeln und so sicherlich auch das allerletzte Tier verscheuchen dass sich hier versteckt haben könnte. Die Gruppen warten normalerweise bis ihr Guide was findet, dass er dann aus dem Gebüsch zieht um es seiner Gruppe zu präsentieren. Das ist unverantwortlicher Tourismus und eine Schweinerei den Tieren gegenüber und ich bin froh dass sich unser Guide Toto sowie die anderen Guides von Sunset Travel entschieden dagegen aussprechen.

Am Nachmittag machen wir uns auf zum Piranha-Fischen. Dazu steckt man einfach ein kleines Stückchen Fleisch auf einen Angelhaken und hält ihn ins Wasser. Innerhalb von Sekunden fängt dann die Wasseroberfläche an zu brodeln und man muss eigentlich nur schnell genug an der Schnur reißen um einen der gefräßigen Fische aus dem Wasser zu ziehen. So könnte man im Minutentakt Piranhas aus dem Wasser ziehen, wenn nicht immer wieder eines dieser kleinen Fischen meinen Angelhaken einfach von der Schnur beißen würde. Besonders gerne habe ich die, die vor mir ins Boot fallen und anfangen nach meinen Zehen zu schnappen! 🙂

Später bewundern wir noch einmal den Sonnenuntergang, bevor wir uns die gefangenen Piranhas zum Abendessen reinziehen, und das Ganze in der Bar unserer Lodge noch anständig begießen* (Toto muss sogar mitten in der Nacht noch Nachschub von der Pampas-Bar besorgen) 🙂

Am nächsten (und letzten Tag) kommt dann das absolute Highlight: Schwimmen mit den Fluss-Delfinen! Angeblich sind diese sehr verspielt und solange man  nicht zu laut und zu viel wird kann man sehr viel Spaß mit ihnen haben! Wir fahren also recht früh zu einem kleinen See, und da sich hier bereits so einige Rückenflossen neben unserem Boot zeigen bin ich der allererste der ins Wasser springt (wo die Delfine sind gibt es angeblich keine Wasserschlangen, Piranhas, Krokodile und anderes Getier). Und tatsächlich sind auf einmal einige Delfine neben mir, die ihre Schnäbel aus dem Wasser stecken, mit der Plastikflasche spielen die ich mitgebracht habe, an meinen Beinen knabbern, mich zum schwimmen hochheben oder in meine Arme schwimmen um sich ihrerseits von mir aus dem Wasser heben zu lassen. Sooooooo unbeschreiblich genial, selten so happy gewesen! 😀 Ein paar Minuten später gesellen sich dann die anderen zu uns und die Delfine verteilen sich zwischen unserer Gruppe. Besonder gern spielen sie mit der Wasserflasche die nwir uns gegenseitig zuwerfen!

 

Leider ist der ganze Spassgleich einmal vorbei als ein paar andere Gruppen mit Vollkaracho ankommen und mitten zwischen uns hineinfahren um den schwimmfaulen Touristen eine Möglichkeit zu geben die Delfine anzufassen bevor diese wegen des Lärms etc abhauen! Kevin wird dabei fast über den Haufen gefahren und ich lasse es mir nicht nehmen zwei dieser Guides mit meinen besten spanischen Schimpfwörtern zusammenzustauchen!! Die Delfine sind dann auch verschwunden und so fahren wir wieder zurück zu unserer Lodge und essen Mittag bevor es wieder nach Rurre geht.

* Zwei Dine habe ich von Toto unserem Guide gelernt:
(1) Neuer Trinkspruch: „Salut [anstossen], momento! [noch nicht trinken] Bebida divina que haces aqui? [das Bier anschauen] Entra en mi! [jetzt trinken]“
(2) Eine wunderbare Version des Liedes: La Bamba

„Y no soy Millionario
yo no soy Millionario,
soy Mochilero,
soy Mochilero,
no tengo dinero!

Pa-pa-pampa……

Soy mochilero,
no tengo dinero.
Es possible descuento?

Es possible descuento?

Pa-pa-pampa…“ 🙂

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