Bolivian Summits: Huayna Potosi (6088m)

Nachdem ich vor zwei Jahren am Cotopaxi (in Ecuador) nur knapp (und recht kläglich) an der 6000er Grenze geschnuppert habe, war es nun Zeit einen echten 6000er zu besteigen. Ein weiterer Grund es jetzt zu tun, ist meine Höhengewöhung, die wohl nie wieder so gut sein wird wie momentan (nach mehr als zwei Wochen auf über 4000m). Und so habe ich mir einen der beiden Hausberge von La Paz, den relativ einfachen Huayna Potosi als Ziel gesucht, der mit seinen 6088m deutlich ueber der magischen Grenze liegt, ein paar spektakuläre Stellen und eine gigantische Aussicht Richtung La Paz und auf die gesamte Königskordillere (Cordillera Real) bietet. Die Besteigung erfolgt entweder in 2 oder in 3 Tagen wobei dabei ein Tag dem Üben mit Steigeisen etc dient und ich darauf gerne verzichte 🙂

Also: Treffpunkt um 8:30 vor der Travel Agency, dort bekomme ich die fehlende Ausrüstung (schwere Bergstiefel, wasserdichte Kleidung, Steigeisen, Klettergurt und Eispickel), den Rest habe ich selbst mit. Von dort wird man dann mit einem Taxi bis ins Basislager auf 4800m gebracht, wo es ein kurzes Mittagessen gibt und ich meinen Guide Mario kennenlerne.


Danach steigen wir auf ins Hochlager (Campo Roca) auf 5270m. Es gibt hier drei verschiedene Lager auf unterschiedlicher Höhe die wohl den verschiedenen Touranbietern gehören. Der Weg zum Hochlager ist etwas beschwerlich mit dem schweren Rucksack auf dem Rücken, ab und zu benutze ich auf dem wackligen Geröll die Hände um mir nicht im letzten Moment noch den Knöchel zu verstauchen oder sonst irgendetwas einzufangen.


Oben angekommen gibt es Cocatee und Brotzeit, bevor ich mich daran mache, meinen Schlafplatz und meine Sachen für unseren nächtlichen Aufbruch herzurichten (Steigeisen und Klettergurt einstellen etc).


Nach einem frühen Abendessen um 18:00 hab ich mich gleich ins Bett gelegt und versucht bis Mitternacht zu schlafen. Mein Schlafsack war zwar schön warm (in der ungeheizten Hütte wird es nachts ziemlich kalt), allerdings hat mich die Höhe nicht so richtig zur Ruhe kommen lassen. Nach endlosem Rumgewälze dann (endlich) wecken und Frühstück um 0:30, um 1:30 brechen Mario und ich auf Richtung Gipfel.

Was dann folgt ist eine langsame aber nicht allzu mühsame Gletscherwanderung. (Mit Ausnahme einer Zwischenstelle bei der es steil hinaufgeht und dem letzten Anstieg zum Gipfelgrat „La Crista“ auf dem man dann im Schein der Stirnlampe – die Abgründe links und rechts ignorierend – die letzten 80hm bis zum Gipfel balanziert.) Wir kommen um 5:50 als erstes am Gipfel an. Mein erster Sechstausender!!! 😀 Viel zu früh für den Sonnenaufgang allerdings, aber Gott sei Dank ist es nicht so kalt und es weht auch fast kein Wind. Bis gegen 6:30 endgültig die Sonne aufgeht haben sich noch zwei weitere Gruppen den Weg auf den ziemlich schmalen Gipfel erkämpft. Ein atemberaubender Sonnenaufgang belohnt uns alle fuer die Strapazen.


Da sich bald weitere Gruppen am Einstieg zur Crista sammeln müssen wir auch bald los – den Platz am Gipfel freimachen – damit die anderen auch etwas davon haben. Da der Gipfelgrat ziemlich schmal ist, steigen Mario und ich – mehr oder weniger gut mit einem Eispickel auf der anderen Gratseite gesichert – vom Weg hinab um die aufwärtsgehenden Gruppen vorbeischnaufen zu lassen. 🙂

Es hat uns bei strahlendem Sonnenschein und trotz vieler Fotos dann tatsächlich nur eine Stunde gekostet bis wir zurück im Hochlager waren und ein wohlverdientes Frühstück genossen haben. (Essen auf dem Weg hinauf geht fast nicht, da erstens alle Riegel etc komplett durchgefroren sind, und wegen der extremen Trockenheit in meinem Mund – das kommt vom vielen schnaufen – auch nicht so leicht hinunterzuwürgen sind.)

Dann vorsichtiger Abstieg über noch gefrorene Felsen ins Basislager wo bereits das Taxi auf uns wartet, und so stehe ich bereits um 11:30 wieder in unserem Hostel in La Paz unter der Dusche. Müde aber ziemlich happy!!

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