Antarctica

Mit diesem Antarktis Trip habe ich mir einen langjährigen Traum erfüllt, der zwar nicht ganz billig war 😉 aber sich sowas von dermassen gelohnt hat! 🙂

So, aber jetzt mal von vorne: Wie gesagt den Antarktis-Traum hege ich ja schon lange, aber so einen Trip standardmässig zu buchen ist unglaublich teuer – ein paar Amerikaner in einer 4er-Kabine haben jeweils über 8000 USD bezahlt (eine Übersicht über alle Antarktis-Expeditionen gibt es hier). Mein Ziel war ein Last-Minute Ticket, und so hab ich auch erst nach Reisebeginn in Buenos Aires angefangen nach Angeboten Ausschau zu halten. Das einzige was mir untergekommen ist (es gab diese Saison offensichtlich lange Wartelisten und dementsprechend wenig Last Minute Angebote) war es dann auch für mich: 12 Tage „Crossing the Antarctic Circle“ auf der MV Plancius und einem kleinen Zuschlag für Kayaking.

Ich hab also eine 4er-Kabine und Kayaking gebucht. Wegen diverser Zeitverzögerungen in Ermangelung von elektronischen Kommunikationsmöglichkeiten beim Trekking hat sich der Preis bis zur endgültigen Ausstellung der Tickets dann noch deutlich reduziert und aus einer 4er-Kabine ist auf einmal eine 2er-Kabine geworden. 😀 Und so hat das Abenteuer angefangen:

Day 1 – Ushuaia – Boarding Plancius (054°48’S / 068°18’W)

Noch kurz eine Grundausstattung von Nahrungs(ergänzungs)mitteln besorgt, von denen ich an Bord einen eher hohen Preis erwartet habe 🙂 und schon geht es zum Boarding (16:00-17:00). Hab gleich mal festgestellt, dass ich meine Doppelkabine für mich alleine habe, was meine Vorfreude recht positiv beeinflusst hat 🙂 Gab dann erst mal den üblichen Lifeboat Drill und Begrüssungscocktails in der Lounge, und eine kurze Einführung zum Expeditionsteam. Einige der Expeditionsleute haben über 25 Jahre Forschungserfahrung mit diversen antarktischen Überwinterungen etc, und wann immer etwas Zeit zwischen den Landausflügen ist werden uns Vorlesungen zu Vögeln, Tieren und Geologie der Antarktis gehalten. Ausserdem ist eine Studiengruppe (Meeressäugetiere) der St. Andrews University an Bord, die das Walgesänge aufnehmen werden und uns vor den abendlichen Recaps eine kurze Präsentation zu allen Tieren die wir heute gesehen haben halten werden.
So, dann kommts auch schon: Wegen über 12m hohen Wellen in der Drake Passage (südlich von Kap Horn) können wir diese Nacht noch nicht starten sondern werden im Schutz des Beagle-Kanals übernachten. (Keine schlechte Idee, im Januar haben nämlich 15m-Wellen in der Drake Passage die Fenster eines vergleichbar grossen Schiffes eingeschlagen).

Day 2&3 – At sea in the Drake Passage

So etwa gegen 9:00 (Gott sei Dank nach dem Frühstück) wurde dann beschlossen bei etwa 9-10m hohen Wellen und 50kn Wind endlich Richtung Antarktis zu starten. Ich kann dazu nur soviel sagen: Es ist mir etwa einen Tag gelungen ohne Medikamente auszukommen, aber dann hab ich doch lieber eine Tablette genommen. Andere Passagiere sind (trotz Tabletten etc) für die nächsten zwei Tage nicht mehr aus Ihren Kabinen gekommen, und einige haben sich sogar (trotz ausdrücklicher Warnung sich immer mit einer Hand festzuhalten) diverse Rippen gebrochen und Knöchel verstaucht. Damit man sich halbwegs sicher durch die Lounge bewegen kann (die Vorlesungen haben trotzdem statt gefunden, auch wenn es für den Vortragenden nicht so lustig war ständig von einer Seite zur anderen zu taumeln) wurden überall seile gespannt 🙂
Sonst haben wir unsere Gummistiefel inkl Reinigungsinstruktionen und eine Einführung für die Zodiacs bekommen. Paul (Kayak Guide) hat uns ausserdem Wetsuit, und Spezial-Rettungswesten fürs Kayaken gegeben.

Day 4 – Deception Island (062°48’S / 062°00’W)

Endlich sind die Wellen vorbei (die Nacht war wegen eines Kurswechsels nochmal ziemlich rau, ich glaub ich habe fünfmal aufstehen müssen um das Zeug das durch meine Kabine geflogen ist einzufangen). Um 8:00 sichten wir den ersten Eisberg als wir uns langsam den Südshetland Inseln und unserem ersten Ziel Deception Island nähern. Deception Island ist eigentlich ein aktiver Vulkan, der durch diverse Ausbrüche einige Walfänger und eine englische Forschungsstation zum Aufgeben der Insel bewegt haben. Da man in den Krater (die Caldera) hineinfahren kann, ankern wir in Whaler`s Bay. Das Wetter ist leider nicht so gut, und während die anderen in zwei Gruppen an Land gebracht werden, richten wir unser Kayak-Zeug zur ersten Fahrt her. Trotz des leichten Nieselregens ist das Paddeln super: Wir sind nur 14 Leute, man hat also so ziemlich seine Ruhe, und die Robben haben einen Riesenspaß neugierig um unsere Kayaks herumzutauchen 🙂 Im Anschluss ans Paddeln haben wir uns auch noch dem obligatorischen Polar Plunge (Plantsch) unterzogen. Brrrr… (Zitat aus dem Trip-Log: „The people who did this are quite clearly insane and one wonders why they were ever allowed on board this vessel or even into polite society!“ 😀 )

Tag 5 – Portal Point and Foyn Harbour (064° 30’S / 061°44’W)

Nach einem frühem Weckruf (6:30) konnten wir endlich zum ersten Mal bei typisch feuchtkaltem antarktischen Wetter das echte antarktische Festland sehen. Haben Anker in der Charlotte Bay geworfen und unsere eisbedeckten Kayaks für eine weitere Ausfahrt hergerichtet. Heut war es echt amal gscheit kalt, vor allem wenn man es nicht schafft die Hände beim paddeln trocken zu halten (so wie ich). Bin trotzdem voller Vorfreude, wurde uns doch von der Expeditions-Leitung erlaubt das Anlanden auf dem antarktischen Kontinent von den Kayaks aus durchzuführen und so aus eigener Kraft den siebten Kontinent zu erreichen (@ Portal Point) und zu betreten! 🙂 YEAH! 🙂 Wir mussten leider ziemlich schnell zurück weil der Wind aufgefrischt hat und der Kapitän wegwollte. Die Zodiacfahrt war wegen dem auffrischendem Wind und den damit einhergehenden größeren Wellen deswegen auch a bisserl ungemütlich – wenn man die Finger eh schon nimma spürt. Eine heisse Dusche  bringts dann aber wieder in Ordnung! 🙂

Nach dem Mittagessen setzen wir Kurs Richtung Wilhelmina Bay. Auf dem Weg dorthin begrüssen uns doch tatsächlich drei Buckelwale die eine grössere Show für uns abziehen. (Die Studentinnen aus St. Andrews haben sich gar nicht mehr eingekriegt aber auch faszinierende Walgesänge aufgenommen die sie uns am abend vorgespielt haben.) Wir sehen ausserdem Eisberge die immer grösser und in Ihren Formen immer faszinierender werden, je weiter wir uns dem Polarkreis nähern. Nächster Stop ist nun Foyn Harbour, wo in einer abgelegenen Bucht das damals modernste Walfangboot nach einem Brand gesunken ist. Ab in die Kayaks und das Wrack besichtigen! 🙂

Tag 6 – Lemaire Channel, Port Charcot und Vernadsky Research Station (065°04’S / 064°02’W)

Weckruf um 6:00, damit wir die Durchfahrt durch den Lemaire Kanal im Sonnenaufgang auf Deck erleben können. Und so beginnt einer der schönsten Tage überhaupt: Klarer Himmel, die schnee- und eisbedeckten Berge um uns herum spiegeln sich im Wasser und es sieht so aus als würde es ein herrlicher Tag werden! Ein paar kleinere Eisberge die am Bug entlangrumpeln sorgen dabei auch noch für die richtige Expeditions-Stimmung.

Ich habe mich nach dem Mittagessen dazu entschieden ausnahmsweise mal nicht mit kayaken zu gehen sondern einen sonnigen Vormittag an Land zu geniessen und kleine Pinguine aus der Nähe zu erleben. Es war so warm, dass man quasi im T-Shirt herumlaufen konnte, und die Sicht war angeblich so gut wie sie unser Expeditionsleiter Kelvin noch nie gesehen hat… 😀

Nach dem Mittagessen ging es weiter zur ukrainischen Forschungsstation Vernadsky. Diese ursprünglich britische Forschungsstation wird momentan von 12 ukrainischen Forschern bewohnt, die einmal im Jahr ausgetauscht werden (wenn der Eisbrecher mit neuem Material kommt). Da die Kommunikationsmöglichkeiten mit zu Hause (eine Textnachricht pro Person/Woche) relativ eingeschränkt sind, hat von den Jungs noch keiner gewusst, dass die Krim gerade von Russen besetzt worden ist… Auf jeden Fall kann man von der Station Postkarten (6 EUR) schicken, an der südlichsten Bar der Welt einen Wodka trinken (2 EUR) und Souvenirs kaufen. Natürlich haben wir das nach einem kurzen Kayak-Ausflug sehr genossen (Ich weiss nicht wie lange die Karten brauchen werden, aber die Wodkas haben zumindest mir Flügel verliehen).

Zur Krönung des Tages gab es dann am Abend noch ein Barbecue 🙂

Tag 7 – Polar Circle und The Gullet (066°37’S / 067°19’W)

Nach einem noch früheren Weckruf (6:00) sind wir live dabei während unser Schiff bei schönstem Wetter den Polarkreis (66º 33’44“ S) überquert. Prost!

So, nach diesem frühmorgendlichen Umtrunk wollten wir eigentlich nach Detaille Island weiter, wegen des auffrischenden Windes und der schlechten Eissituation (acht zehntel) hat sich die Expeditionsleitung aber um entschieden und wir stossen (in Absprache mit dem britischen Eisbrecher HMS Protector) weiter nach Süden vor zu einem Ort der The Gullet heisst und der Neuland für Schiff, Kapitän und Expeditionsleitung bedeutete. Wir sind hier umgeben von der richtigen Antarktis, das bedeutet Tafeleisberge und mehrjähriges Packeis! 🙂 Unser Kayaken wird hier trotz des schönen Wetters zu einem wahren Abenteuer, als der auffrischende Wind uns zwischen zwei Eisberge treibt, und uns den Rückweg mit kleinen Eisschollen und „Lush Ice“ versperrt, die um unsere Kayaks herum augenblicklich zu einer Eisfläche gefrieren. Stuart und ich schaffen es uns da herauszukämpfen aber einige der anderen müssen von einem Zodiac aus dem Eis befreit werden! 🙂

Der südlichste Punkt unserer Reise war damit 66º54.4’S, 67º2.5’W

Tag 8 –  Peterman Island and Port Lockroy (65°11’S /64°16’W)

Auf unserem Weg zurück machen wir halt in Peterman Island, wo ich mich mal wieder gegen eine Kayak-Runde entscheide um an Land mit den Pinguinen zu spielen. Diesmal waren sie sogar so nett bis auf ein paar Zentimeter heranzukommen (für die Menschen-Tier-Distanz gilt die 5-Meter-Regel, nur wissen die Pinguine das nicht bzw ignorieren das einfach) und lustig dreinzuschauen 🙂 In der Nähe unseres Landeplatzes gab es noch so eine rote Schutzhütte der Argentinier die aber heute nicht mehr benutzt wird… Vom Landeplatz konnte man prima einem Seeleoparden zuschauen, der sich einen jungen Pinguin geschnappt hat. Zuerst sieht es immer so aus als würde er nur spielen, aber dann schüttelt er den Pinguin so lange bis das Fell abfällt und man ihn anständig verzehren kann (das posten dieser Fotos hab ich mir gespart).

Danach sind wir zurück durch den Lemaire Kanal – wieder bei glasklarem Wasser…

Dann eine kleine Kayaking-Exkursion (das Wetter hat leider wieder angefangen „antarktisch“ zu werden) und eine kurze Besichtigung des kleinen Museums einer ehemaligen britischen Forschungsstation, die nun vom Antarctic Heritage Trust verwaltet wird. Das Museum war eigentlich geschlossen, das meiste Personal ist auch schon weg (Zitat aus einer bekannten Serie: „Winter is coming“), aber die beiden die noch da waren haben sich sehr über eine heisse Dusche und eine anständige warme Mahlzeit an Bord der Plancius gefreut 🙂

Tag 9 –  Mikkelsen Harbour (63°57’S /61°16’W)

Das Wetter ist zwar wieder am „antarktisch“ werden (also wolkig, Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und auffrischender Wind) was uns aber nicht daran hindert das letzte Mal auf unserere Reise an Land zu gehen (Wegen des Windes war Kayaken keine Option, wir haben diese dewegen bereits gestern abend zusammengepackt und für die Rückreise verstaut). Wir betren also D’Hainaut Island im geschjützten Mikkelsen Harbour. Auch hier erwartet uns eine argentinische Schutzhütte und eine ganze Horde Pinguine (hautsächlich aber auch ein einsamer Chinstrap und ein paar Adelies) und ein paar daran naschende Leopard Seals. Leider frischt der Wind gleich mal ganz ordentlich auf und es ist wird richtig kalt. Also bald zurück zum Schiff, und eine – nur ab und zu von Vorlesungen unterbrochene – Heimreise anzutreten.

Tag 9 & 10 –  Rückweg durch die Drake Passage

So, auf dem  eher gemütlichen Rückweg durch die Drake Passage gab es also nicht mehr viel zu tun, als ab und zu nach ein paar Walen Ausschau zu halte. Das haben ja Gott sei Dank die Mädels aus St. Andrews übernommen, und so kam immer wieder über die Lautsprecher: „Achtung! Pilotwale auf Steuerbord“ oder „Stundenglas Delfine auf Backbord!“. Man schnappt sich dann seine Schuhe, Jacke, Kamera und rennt raus an Deck (also etwa 100 Leute gleichzeitig) um schnell noch ein paar Schnappschüsse zu machen! In manchen Fällen hat sich das aber wirklich gelohnt. Eine ganze Schule von Pilotwalen (40-60 Stück) hat sich gerade in der Nähe des Schiffes getroffen um sich dort gegenseitig kennenzulernen (im Ernst, die Walexperten haben von Kennelernen verschiedener Gruppen gesprochen – da wird dann auch ganz kräftig verkuppelt 🙂 ).

Nachdem wir geschlagene 20 Stunden auf die Erlaubnis der chienischen Marine gewartet haben durften wir uns dann auch noch Kap Hoorn nähern, wo gerade ein paar grössere Segelschiffe der chilenischen Marine unterwegs waren.

Das Highlight war aber dann eine Gruppe von Orcas die im Beagle-Kanal versucht haben sich einen Seelöwen einzuverleiben. Da der Seelöwe so schlau war sich bei unserem Schiff zu verstecken un ihm die Killerwale natürlich erstmal hinterhergeschwommen sind haben wir etwa eiune Stunde lang ein ziemliches Walspektakel gehabt. Der (leider bereits etwas angeknabberte Seelöwe) ist dann wohl tatsächlich noch entkommen!

Also: Echt viel passiert und gesehen und irgendwie hat mich der „Antarctica Bug“ gebissen, ich könnte mir also vorstellen dass ich nicht das letzte Mal hier gewesen bin…

Karten:

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